Javis macht Ferien

Eine Schablone aus einem Malbuch: Barbie im Bikini.Der Juli war einer der heißesten seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen und die beleibte Maltherapeutin schwitzte. Sie schien eine Abneigung gegen seine abstrakte Malerei zu haben. Vor ein paar Tagen hatte sie Serenus aufgetragen, die Klinik zu malen. Sie erwarte eine figürliche Darstellung seiner eigenen und aller anderer Personen. „Dürfte ich die Menschen auch als Tiere malen?“, fragte er spaßeshalber. Wenn ihm nichts Anderes einfalle, antwortete sie kühl.
Als er bei Google „Malbuch“ eingab, stieß er auf einen Schatz von Vorlagen, Schablonen, die man nur auszufüllen brauchte. Zwei Abbildungen gefielen ihm besonders: das Tamagotchi und die Barbiepuppe im Bikini. Er nahm einen Roller und grundierte ein großes Papier mit gelber Farbe, die obere Hälfte übermalte er mit Blau: Sandstrand mit Ferienhimmel. Links unten malte er mit roter Farbe die Barbie, um sie herum verteilte er schwarze Tamagotchi.
Am Nachmittag fand die Besprechung mit der Maltherapeutin statt. Serenus erklärte ihr den Titel des Bildes.
„Es heißt ‚JAVIS macht Ferien’. Die rote Figur ist JAVIS.“
„Was stellt die Figur dar?“
„Das bin ich.“
„Wieso haben Sie sich als Frau dargestellt?“
„Das ist keine Frau.“
„Was ist es denn?“
„Das ist eine Barbie. Eine Barbie ist keine Frau. Wissen Sie, was eine Barbie ist? Haben Sie als Kind mit Barbies gespielt?“, fragte Serenus.
„Nein“, antwortete die Maltherapeutin knapp.
„Barbies sind die besten und erfolgreichsten Psychotherapiepatienten. Sie kommen zehn Stunden zur Therapie. Dann sind sie geheilt, gehen nach Hause, heiraten und kriegen Babys.“
„Soll das heißen, SIE gehen nach Hause und heiraten?“
„Noch nicht. Ich habe ja erst drei Stunden bei Ihnen gehabt. Das reicht nicht zum Heiraten.“
Agnes betet. Taschenbuch-Ausgabe 2017, S. 74-75
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Javis macht Ferien. Sandstrand mit Ferienhimmel und eine Barbie im Bikini.