Selbstverletzungen

Sarah hatte eine schwere Persönlichkeitsstörung und schnitt sich in die Unterarme. Serenus betrachtete die Verletzungen, die frischen und die vernarbten. Sie drückten etwas aus und deshalb inspirierten sie ihn. Im Atelier tauchte er ein Messer in rote Farbe und machte ein paar Schnitte in ein großes Blatt. Das war der Entwurf. Für die Grundierung nahm er wasserlösliche Gouache in Blutrot, die er dick auftrug. Darauf malte er mit weißer Dispersion weiter, so dass die rote Farbe durchschimmerte. Das ergab Sarahs Haut. Dort, wo die Schnitte waren, ließ er Streifen der blutroten Grundierung offen. Er variierte das Thema und malte ein Dutzend „Selbstverletzungen“. Außer Sarah mochte niemand diese Bilder.
Agnes betet. Taschenbuch-Ausgabe 2017, S. 89-90

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