Metaphernsalat

Auch an diesem Freitagmorgen war Serenus auf der A-6 unterwegs nach Ávila. Es war Ferienzeit mit wenig Berufsverkehr und er konnte sich auf den Song aus dem neuem Album von Shakira konzentrieren.

Wenn du mich umarmst und anschaust
Dann weiß ich, dass Gott existiert
Es ist nicht schwer zu glauben
Bevor ich dich kannte, war die Erde flach
Auch wenn Herr Galileo es anders sah
Doch dann kamst du daher
Ohne Gedichte und ohne Blumen
Mit Mängeln und Fehlern
Du kamst zu Fuß
Und brachtest Gott zurück
Glaube nicht, dass du wieder gehst
Und ich mich damit abfinde
Denn zwischen Himmel und Erde
Bist du alles und mehr für mich
Ich fühle etwas in dir, zwischen uns zwei
Und deshalb bestehe ich darauf
Dass ich in deinen Pupillen erkenne
Dass Gott nie aufhört zu sein

Er bewunderte Shakira für den Metaphernsalat, den sie in ihren Texten anrichtete. Hier spannte sie das Hochseil der Liebe zwischen Gottesbeweis und geozentrischem Weltbild. Verlöre sie das Gleichgewicht, würde sie in den Kitsch hinunterstürzen. Aber was war der Kern von Shakiras Botschaft? Dass Innigkeit und Erleuchtung sich gegenseitig bedingten, wie das Huhn und das Ei? Eine Behauptung, die zutraf, das wusste Serenus, denn er hatte es selbst so oft erlebt. Aber er war zwölf Jahre älter als Shakira und würde es nie wieder erleben.
Er war so sehr in Gedanken versunken, dass ihn das Klingeln seines Telefons beinahe zu Tode erschreckte. Er nahm den Anruf nicht entgegen, denn der Anrufer konnte eine Nachricht hinterlassen, wenn es etwas Wichtiges war. Kurz vor dem Tunnel durch den Alto de los Leones, hielt er an der Raststätte von Villa Alba. Dort füllte er den Tank auf und trank einen Kaffee, als ihm der Anruf von vorhin wieder einfiel. Er hatte eine Sprachnachricht von der Empfangssekretärin auf seinem Handy, die er gleich abhörte.

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